Verbraucher

Widerruf beim Online-Kauf: Frist, Ausnahmen, Rückgabe

Sie haben im Internet bestellt und wollen die Ware nicht behalten, oder sie kommt gar nicht erst an. Einen Online-Kauf bei einem Händler können Sie als Verbraucher grundsätzlich ohne Begründung widerrufen; bleibt die Lieferung aus, helfen andere Rechte.

Wann Sie widerrufen können

Bestellen Sie als Verbraucher bei einem Unternehmer und laufen Verhandlungen und Vertragsschluss ausschließlich über Website, App, E-Mail oder Telefon, liegt in der Regel ein Fernabsatzvertrag vor (§ 312c BGB). Bei ihm haben Sie ein Widerrufsrecht (§ 312g Abs. 1 BGB).

Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage (§ 355 Abs. 2 Satz 1 BGB). Bei einem Kauf beginnt sie, sobald Sie die Ware erhalten haben, bei mehreren getrennt gelieferten Waren einer Bestellung mit der letzten (§ 356 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Hat der Händler Sie nicht wie vorgeschrieben über das Widerrufsrecht unterrichtet, beginnt sie nicht (§ 356 Abs. 3 Satz 1 BGB). Das Widerrufsrecht erlischt dann spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach Erhalt der Ware (§ 356 Abs. 4 Satz 1 BGB).

Sie widerrufen durch eine Erklärung gegenüber dem Händler, aus der Ihr Entschluss eindeutig hervorgeht. Eine Begründung brauchen Sie nicht, und für die Frist genügt die rechtzeitige Absendung (§ 355 Abs. 1 Satz 2 bis 5 BGB). Seit dem 19.06.2026 muss ein Händler, der über eine Website oder App verkauft, dort eine Widerrufsfunktion bereithalten, beschriftet mit „Vertrag widerrufen“ oder gleichbedeutend (§ 356a Abs. 1 BGB). Ein darüber vor Fristablauf versandter Widerruf gilt als rechtzeitig zugegangen, und der Händler muss Ihnen den Eingang unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger bestätigen (§ 356a Abs. 4 und 5 BGB).

Ausnahmen vom Widerrufsrecht

Soweit nichts anderes vereinbart ist, besteht kein Widerrufsrecht unter anderem bei Waren, die nach Ihren individuellen Vorgaben angefertigt werden, bei schnell verderblichen Waren sowie bei versiegelten Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet sind, und bei versiegelter Software, jeweils wenn die Versiegelung nach der Lieferung entfernt wurde (§ 312g Abs. 2 Nr. 1, 2, 3 und 6 BGB). Für heruntergeladene Inhalte wie E-Books gelten eigene Regeln, siehe Abofalle und digitale Produkte.

Rücksendung und Rückzahlung

Nach dem Widerruf sind die empfangenen Leistungen spätestens nach 14 Tagen zurückzugewähren (§ 357 Abs. 1 BGB). Der Händler muss die Kosten der Lieferung zu Ihnen erstatten, Mehrkosten einer teureren als der günstigsten Standardlieferung aber nicht (§ 357 Abs. 2 BGB). Er darf die Rückzahlung verweigern, bis er die Ware zurückerhalten oder Sie die Absendung nachgewiesen haben (§ 357 Abs. 4 Satz 1 BGB). Wertersatz schulden Sie nur, wenn der Wertverlust auf einem zur Prüfung der Ware nicht notwendigen Umgang beruht und der Händler Sie über das Widerrufsrecht unterrichtet hat (§ 357a Abs. 1 BGB).

Die Pflichten der Händler beschreibt die Seite Online-Shop-Recht.

Wenn die Ware nicht ankommt

Ist keine Lieferzeit vereinbart, muss der Händler die Ware spätestens 30 Tage nach Vertragsschluss übergeben (§ 475 Abs. 1 Satz 2 BGB). Geht das Paket unterwegs verloren, trägt dieses Risiko der Händler, außer Sie haben das Transportunternehmen selbst beauftragt und er hat es Ihnen nicht vorher benannt (§ 446 Satz 1, § 475 Abs. 2 BGB). Bleibt die Lieferung aus, können Sie nach erfolglosem Ablauf einer angemessenen Frist vom Vertrag zurücktreten (§ 323 Abs. 1 BGB) und den gezahlten Preis zurückverlangen (§ 346 Abs. 1 BGB).

Wobei ich unterstütze

  • Ich prüfe, ob Ihnen ein Widerrufsrecht zusteht und ob die Frist noch läuft.
  • Zahlt der Händler nicht zurück, fordere ich den Betrag ein, wenn nötig vor Gericht.
  • Bei ausbleibender Lieferung setze ich die Frist und erkläre für Sie den Rücktritt.

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Häufige Fragen

Wer zahlt die Rücksendung nach einem Widerruf?

Die unmittelbaren Kosten der Rücksendung tragen Sie, wenn der Händler Sie vorher darüber unterrichtet hat und sie nicht selbst übernimmt. Die Kosten der Standardlieferung zu Ihnen muss er erstatten.

Kann ich auch einen Kauf über eine Verkaufsplattform widerrufen?

Kaufen Sie über die Plattform bei einem Unternehmer, haben Sie ein Widerrufsrecht; kaufen Sie von einer Privatperson, haben Sie keines, weil die Vorschriften nur für Verträge zwischen Unternehmern und Verbrauchern gelten.

Stand: 18.10.2026

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